Vor 1550 Jahren, am 8. Oktober 451, begann das
IV. Ökumenische
Konzil von Chalkedon
Es war das letzte Ökumenische Konzil der Antike
nach den Ökumenischen Konzilien
von Nikaea (325), Konstantinopel (381) und
Ephesos (431).
ZWEI CHRISTUSBILDER - NESTORIUS UND EUTYCHES
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Die frühe christliche Kunst stellt Christus jugendlich
schön dar. Am Bassus - Sarkophag (Rom) thront Christus über den
Himmeln inmitten von Petrus, dem er das Gesetz überreicht, und dem Apostel
Paulus. Infolge des neuerwachten geschichtlichen Interesses wird dann in
späterer Zeit Christus älter und bärtig abgebildet. Er ist der Prophet
und himmlisch erhabene Herr, der Lehrer aller Weisheit.
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Solange die Christen noch Kreuzigungen erlebten, wagten sie kein Kreuzigungsbild. Als Konstantin der Große (306 - 337) die Kreuzesstrafe abschaffte, entstanden die ersten Bilder, z.B. die Holztür von St. Sabina in Rom. Das Kreuz ist auch hier nur angedeutet. |
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Gegen Arius, einem Priester aus Alexandrien von großer Anziehungskraft, der lehrte, daß Christus ein Geschöpf des Vaters sei, hatte die Kirche die volle Gottheit des Sohnes gelehrt, wobei sie der Schrift folgte, die von Christus aussagt, was nur Gott zusteht. Andererseits spricht die Schrift genauso deutlich von der wahren Menschheit des Herrn. (Konzil von Nikaea (325) und nach Wiederaufleben des Arianismus auch Konzil von Konstantinopel (381)). Da Kaiser Konstantius (337 - 361) auch mit dem Arianismus liebäugelte, konnte der Kirchenvater Hieronymus sagen: "Der Erdkreis seufzte auf und bemerkte mit Verwunderung, daß er arianisch geworden sei." Wenn man die vorher genannten beiden Aussagereihen mit dem Altertum - das für seine Formulierungen die Begriffe der griechischen Philosophie zur Hilfe nahm - auf die „Naturen" bezieht, ist das Ergebnis, daß Christus zwei Naturen besitzt, eine göttliche und eine menschliche. Nun ist er offenbar nicht eine Zweiheit, sondern eine Einheit. Wie soll man die Einheit von göttlicher und menschlicher Natur näher bestimmen? Das war die nächste überaus wichtige Frage an die Theologie.
Die Reichskirche im römischen ImperiumI. Nestorius und das Konzil zu Ephesos (431)
1. Die Streitfrage
Cyrill, Patriarch von Alexandrien, ging von der Einheit aus und sprach von der „einen Natur des fleischgewordenen Logos". Die göttliche Natur durchdringt nach ihm die menschliche Natur wie das Feuer eine glühende Kohle.
Nestorius, Patriarch von Konstantinopel, setzte umgekehrt bei der Zweiheit der Naturen an und geriet in Gefahr, die Einheit preiszugeben. Nach ihm ist die göttliche Natur mit der menschlichen nur in einer äußerlichen Einheit verbunden. Der Logos wohnt in dem Menschen Jesus wie in einem Tempel. Folglich ist Maria nicht Gottesgebärerin (Theotokos), sondern Mutter des Menschen Christus (Christusgebärerin - Christotokos). Wieder mußte die Frage entstehen: Sind wir wahrhaft erlöst, ist die Heilige Schrift recht verstanden, wenn Gottheit und Menschheit so stark getrennt werden? Das Kirchenvolk zumal wollte Maria ihren höchsten Ehrentitel nicht rauben lassen, und Cyrill warf dem Nestorius offenkundigen Irrtum (Haeresie) vor.
2. Die Lösung auf dem Konzil von Ephesos (431)
Von Kaiser Theodosius II. berufen, tagte zu Pfingsten 431 in der Marienbasilika von Ephesos das III. Allgemeine Konzil und bekräftigte:
„Der Emmanuel ist in Wahrheit Gott und die Heilige Jungfrau deshalb Gottesmutter, weil sie das fleischgewordene, aus Gott stammende Wort dem Fleische nach geboren hat. Es ist nicht ein gewöhnlicher Mensch aus der Heiligen Jungfrau geboren worden und auf diesen dann der Logos herabgekommen, sondern aus dem Mutterschoß ist Christus geeint hervorgegangen."Nestorius wurde verbannt. Papst Sixtus III., der durch seine Gesandten entscheidend am Konzil mitgewirkt hatte, ließ am Triumphbogen von Groß - St. Marien (Sancta Maria major) die heute noch erhaltenen Mosaiken des Marienlebens anbringen.
II. Eutyches und das Konzil von Chalkedon (451)
1. Die Streitfrage
Aus dem alexandrinischen Christusbild trieb gleichfalls eine neue Irrlehre, die mit dem Namen des Abtes Eutyches aus Konstantinopel verknüpft ist. Er behauptete: Nach der Vereinigung der beiden Naturen wird die menschliche Natur von der göttlichen so aufgesogen wie ein Tropfen Milch vom Ozean! Das nannte man „Monophysitismus" (Lehre von einer einzigen, das ist die göttlichen Natur). Die Rivalität von Alexandrien und Konstantinopel verschärfte den Streit. Alexandrien stellte sich hinter Eutyches, Konstantinopel verurteilte ihn. Unter militärischem Druck trat eine Synode in Ephesos wiederum für Eutyches ein. Daraufhin brandmarkte sie Papst Leo I. (440 - 461), dessen Gesandten der Vorsitz verweigert war, als „Räubersynode" (449)-("Ephecinum non judicium sed latrocinium"). Hier sieht man schon deutlich den entstehenden Dualismus bezüglich der Machtfrage zwischen Osten und Westen, zwischen Rom und Byzanz! Rom meldet sich hier deutlich zu Wort.
Inmitten des Geisteskampfes wuchs langsam die Klarheit. Um die Einheit in Christus näher zu bezeichnen, bestimmten die Konzilsväter den Begriff Person als letzte Einheit eines vernünftigen Wesens im Unterschied zur Natur so einleuchtend, daß mit seiner Hilfe der Glaube gegen alle Mißverständnisse abgegrenzt werden konnte.
2. Die Lösung in Chalkedon (451)
Es ist das hohe Verdienst des Papstes Leo I., daß er durch seinen berühmten „dogmatischen Brief" (Text: engl.) auf dem IV. Allgemeinen Konzil von Chalkedon die Lösung herbeiführte.
Begeistert riefen die sechshundert Konzilsväter:
„Das ist der Glaube der Väter. Das ist der Glaube der Apostel. So glauben wir alle. Petrus hat durch Leo gesprochen."
(damit haben sie aber den Vormachtsanspruch Roms (den Primat) nicht anerkannt!)
Im Anschluß an diesen Brief bekannte das Konzil:
„Wir bekennen einen und denselben Christus, den Sohn, den Herrn, den Eingeborenen, der in zwei Naturen unvermischt, unverwandelt, ungetrennt und ungesondert besteht. Niemals wird der Unterschied der Naturen wegen der Einigung aufgehoben, es wird vielmehr die Eigentümlichkeit einer jeden Natur bewahrt, indem beide in eine Person zusammenkommen."Zweihundert Jahre später flammte der Streit nochmals auf, als Sergius, Patriarch von Konstantinopel, behauptete: Christus habe zwar zwei Naturen, aber nur einen einzigen, und zwar göttlichen Willen. Das VI. allgemeine Konzil von Konstantinopel wies die „Monotheleten" ab (680 - 681).
3. Ergebnis
Christus ist also eine, und zwar göttliche Person in zwei Naturen: das ist der katholische Glaube.
Nestorius hatte die beiden Naturen so stark getrennt, daß die gottmenschliche Einheit in Frage gestellt war.
Eutyches hatte die göttliche Einheit so stark betont, daß die wahre Menschheit preisgegeben schien.Unter der Leitung des Heiligen Geistes bewahrte das Konzil (die Kirche) das Glaubensgeheimnis vor der Auflösung und grenzte es für alle Zeit ab. Freilich war diese Klärung durch die Schwäche der Menschen, die Gottes Werk zu tragen hatten, zugleich ein Kreuzweg. Rechthaberei, Rivalität, Verhetzung und Gewalt spielten eine unschöne Rolle. Bitter sollte es sich rächen, daß die Kirche des Ostens ihre besten Kräfte in oft haarspalterischen Unterscheidungen vertat.
III. Die ersten Spaltungen im Osten
Die Irrlehren waren überwunden, nicht die Anhänger. Die Nestorianer flüchteten ins Perserreich und gewannen die Kirche Persiens für ihre Lehre. Auch unter arabischer Herrschaft konnten sie sich als Vermittler der antiken Kultur behaupten, ja bis nach Indien, Innerasien und China eine weitgespannte Mission organisieren. Im 10. Jahrhundert gab es in China zwei Millionen nestorianische Christen, und im 13. Jahrhundert reichte der Nestorianismus mit zweihundertdreißig Bistümern von Ägypten bis China, vom Baikalsee bis Kap Komorin — ein Beweis, wie stark die Wahrheit auch noch im Irrtum wirken kann! Das Verhängnis brach herein, als die Mongolen den Islam annahmen und Chan Timur (gestorben 1405) die Nestorianer bis auf unbedeutende Reste vernichtete. — Die Monophysiten wurden zur ägyptischen Nationalkirche (Kopten = Ägypter). Um 500 schlossen sich die Syrer und Armenier ihnen an. Abessinien ist kirchlich bis heute von Ägypten abhängig. In Ägypten selbst gibt es jetzt noch gegen eine Million Kopten.
IV. Literatur
Jedin H., Hrsg.
Handbuch der Kirchengeschichte, II/1, Herder, Freiburg (1985)
Sierszyn A.;
2000 Jahre Kirchengeschichte, Band I, Hänssler, Neuhausen-Stuttgart (1997)
Franzen A.,
Kleine Kirchengeschichte, Herder, Freiburg (1965)
Brüggeboes W.,
Geschichte der Kirche, I. Teil, Patmos-Verlag, Düsseldorf (1964)
Alberigo G., Hrsg.
Geschichte der Konzilien - Vom Nikaenum bis zum Vaticanum II, Fourier-Verlag Düsseldorf (1998)
Wucher A.,
Die Päpste, Herder Spektrum, Freiburg (2000)
Internet:
Dogmatischer Brief Leos I., Definition des Glaubens und die Canones des Konzils von Chalkedon (engl.)
Eutyches (engl.)
A.M. Severius Boethius: Traktat gegen Nestorius und Eutyches (engl.)
Das Konzil von Chalkedon (orthodox) (engl.)
Nestorianismus (engl.)MK, 08/2001