Der Kirchenchor von St. Korbinian
Proben im Pfarrheim Friedensplatz 3
jeden Donnerstag um 19.30 (außer in den Ferien).von Chorleiter
Heinz NeubauerWie lange unser Kirchenchor schon existiert, lässt sich heute wohl nicht mehr genau feststellen. Nachdem es aber bereits 1871 notwendig wurde eine neue Orgel einzubauen, darf man mit Recht annehmen, dass bereits vor dieser Zeit ein Chor existierte. Die erste schriftliche Erwähnung findet sich in dem 1909 erschienenen Buch „Kulturbilder aus dem Hachinger Tale" von August Koch. Bei der Aufzählung und Charakterisierung der Schullehrer in Unterhaching schreibt er über den Lehrer Ignaz Liebl: „Er war (auch) in den musikalischen Leistungen ein Mann mit nur mittelmäßiger Begabung. Man hörte volle 17 Jahre lang bis zu seinem Tode (1883) auf dem Kirchen-Chor immer die alte Leier und die Unterhachinger werden es wohltuend empfunden haben, als in seinem Nachfolger, Herrn Lehrer Bachmeier, Gesang und Musik wieder eine Pflege fanden, die sie früher nie gekannt, als der Kirchen-Chor wieder Leistungen zu verzeichnen hatte, die für den Musikkenner einen Kunstgenuss bildeten." Es sind noch einige arg „zersungene" Noten aus dieser Zeit herüber gerettet worden, hauptsächlich Marienlieder und Gesänge zur Fastenzeit, die gelegentlich auch heute noch aufgeführt werden.
Organist und Chorleiter Karl Engelländer (l.) mit
Konrad Lautner vor der alten Orgel von 1871, die oberhalb der so genannten „Bolam“ im 2.Stock,
etwas eingeengt, bis zum Gewölbe reichte.
(Foto von 1958)
Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein war es guter Brauch, dass die jeweiligen Dorfschullehrer auch die Organisten und Chorleiter stellten. Der letzte in dieser Tradition war der Oberlehrer und spätere Rektor Karl Engelländer, der diese Ämter bis zu seinem Tod innehatte. Er starb 78jährig 1961 durch einen tragischen Verkehrsunfall. Viele der heutigen Unterhachinger sind bei ihm noch in die Schule gegangen und haben ihn in guter Erinnerung behalten. Die ersten regelmäßigen Aufzeichnungen über die Choraktivitäten beginnen mit der Erhebung von St. Korbinian zur selbstständigen Pfarrei 1922. Ab diesem Zeitpunkt wurden Noten zu vielen lateinischen Messen angeschafft, die sich bis heute alle erhalten haben und die Sonntag für Sonntag gesungen wurden. Diese Gepflogenheit hat sich bis zum Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils 1965 gehalten, wenn auch seit Ende der fünfziger Jahre das Repertoire mit vielen Messen der Wiener Klassik sowie des italienischen a-cappella Gesangs bereichert und ergänzt wurden. Eine Statistik aus dem Jahre 1962 kommt auf 62 gesungene lateinische Messen! Einige davon wurden deshalb im Jahr bis zu sechsmal aufgeführt.
Bis zur Kirchenrenovierung 1972 war die Eingangsseite unserer Kirche noch zweistöckig; das heißt, von der ersten Empore, der so genannten „Bolam", die ausschließlich den Männern vorbehalten war, (nach Schmeller: Laube, Labm = äußerer Gang, Galerie; Borlabm, Bolabm= Emporkirche, erhobener Platz in der Kirche; enbor, empor: in der (die) Höhe,), führte eine ganz schmale, steile Stiege hinauf zur zweiten Empore, zum Chor. Dort stand die Orgel von 1871, natürlich etwas niedriger gebaut wegen der geringeren Raumhöhe. Der Spieltisch war entgegen dem heutigen um 180 Grad gedreht, sodass der Organist zum Altar blickte. Die Chorsänger standen wegen der sehr beengten Platzverhältnisse rechts und links neben der Orgel, (die Frauen auf der Südseite, die Männer gegenüber), ein „Orchester" mit mehr als drei Mitwirkenden war nicht unterzubringen.
Bis 1969 wurden auch im Winter alle wöchentlichen Proben in der ungeheizten Kirche gehalten. Unter dem neuen Pfarrer Konrad Schmid, der 1968 den 72jährigen Pfarrer Martin Faustner ablöste, wurde dann eine Baracke errichtet die auch als Probenraum diente. 1980 bekommt der Chor im neu errichteten Pfarrheim, im abtrennbaren Teil des großen Saales, einen schönen Raum, in dem auch heute noch jeden Donnerstag die Proben stattfinden.
Der letzte Chorauftritt im oberen Stock mit der alten Orgel war die Festmesse an Maria Himmelfahrt 1972.Für ein ganzes Jahr war nun die Kirche eine Baustelle. Während dieser Zeit fand das kirchliche Leben in der Klosterkirche an der Biberger Straße statt. Am 15. Juli 1973 verabschiedete sich der Chor mit einer lateinischen Messe von dort.
Seit dieser Zeit wird nun im „ersten Stock" auf der neuen, etwas vergrößerten Empore mit der renovierten Orgel gesungen. Während die alten Orgelpfeifen im Wesentlichen beibehalten wurden, ist der Spieltisch und das Gehäuse unter Beibehaltung der alten Konstruktionsmerkmale neu gestaltet worden. Die Orgel wird nun, wie schon erwähnt, mit dem Rücken zum Altar gespielt. Die Schlussrechnung vom Oktober 1973 weist einen Betrag von DM 92.657,25 aus. Die etwas besseren Platzverhältnisse ermöglichen es jetzt, zusammen auf einer Seite zu singen, viel mehr als 25 Mitwirkende bringt man aber auch heute auf der Nordseite nicht unter; gegenüber haben auch nicht mehr als sechs Musiker Platz.
Heute wird der Kirchenchor natürlich nicht mehr so beansprucht wie in den geschilderten vorkonziliaren Zeiten. Trotzdem wird jeden Donnerstag fleißig geprobt für die vielfältigen Aufgaben, die auch heute immer noch kirchenmusikalisch anstehen und zur Bereicherung und Unterstützung des liturgischen Geschehens beitragen. Bei Firmung, Erstkommunion und an manchen Festtagen singt eine Schola aus Männern und Frauen und hilft der Gemeinde beim Gesang.
An hohen Feiertagen wird nach wie vor eine lateinische Orchestermesse gesungen. Unser Repertoire beinhaltet Orchestermessen mittlerer Größe, die noch halbwegs in vernünftigen Zeiten (Proben –und Aufführungszeiten!) mit unserem kleinen Chor zu bewältigen sind. Als Beispiele sollen genannt sein:
W. A. Mozart:
Missa brevis in B KV 275 seit 1959
Kleine Orgelsolomesse in C KV 259 seit 1960
Spatzenmesse KV 220 seit 1960
Krönungsmesse KV317 seit 1970
Credomesse KV 257 seit 1992
Missa brevis in D KV 194 seit 1996Waisenhausmesse KV 139 seit 2002
J. Haydn:
Kleine Orgelsolomesse in B seit 1949
Nicolaimesse seit 1961
Große Orgelmesse in Es seit 1964F. Schubert:
Messe in G seit 1960
Jahrzehntelange Tradition (seit 1924) hat die Aufführung der Kempter-Pastoralmesse bei der Mitternachtsmesse an Weihnachten. Für die Advents-und Fastenzeit sind einige a-cappella Messen eingeübt worden, die auch heute noch gerne gehört und gesungen werden:
Senfl:
Missa super per signum crucis seit 1959
Palestrina:
Missa brevis seit 1959
Lotti:
Missa in C seit 1962
Bruckner:
Messe in d ohne Gloria und Credo seit 1999
Einige Sonntage unterm Jahr sind den Orgelmessen vorbehalten. Wir haben hier die Auswahl unter den Werken der Komponisten Filke, Piechler, Obersteiner, Griesbacher, Ett, die teilweise schon seit den zwanziger Jahren gesungen werden.
Einen großen Raum im Übungsprogramm nahmen früher die zahlreichen Marienlieder und Motetten ein, die dann bei vielen Maiandachten aufgeführt wurden. Die Gelegenheiten, unser diesbezügliches Programm auszunützen, sind heute aus den verschiedensten Gründen stark eingeschränkt. Mit großer Motivation und Begeisterung gestalten wir seit einigen Jahren gemeinsam mit unserer „Blaskapelle St. Korbinian" ein Adventskonzert in der Klosterkirche, das bei den Zuhörern immer mehr Anklang findet.
Mit unserem verstorbenen Pfarrer Konrad Schmid hat der Chor seit 1979 jedes Jahr eine kleine Fußwallfahrt mit Rosenkranzgebeten unternommen, die uns in die Pfarreien der näheren Umgebung führte. In der Zielkirche (Hohenbrunn, Sauerlach, Hofolding, Arget, Maria Ramersdorf, Unterbiberg, Herzogspitalkirche, Bogenhausen, u.s.w. zuletzt 2002 in Maria Thalkirchen) haben wir eine Messe gesungen und anschließend nach gutem alten Brauch in einer Wirtschaft gemeinsam Mittag gegessen. Es wird Zeit, dass dieser schöne Brauch wiederbelebt wird.
Mit dem am Donnerstag, den 21. November 2002 (vielleicht sogar während unserer Probe) ganz plötzlich verstorbenen Pfarrer Konrad Schmid hat der Chor einen großen Gönner und Liebhaber unseres Gesangs verloren.
Seit März 2004 haben wir mit Pfarrer Jakob Blasi wieder einen neuen Seelsorger, der ebenfalls ein begeisterter Freund der Chormusik ist und Garant für weitere erfolgreiche Chorarbeit bleibt.
Natürlich kommt bei uns auch die Geselligkeit nicht zu kurz; viele gemeinsame Geburtstagsfeiern haben manche Proben etwas knapper ausfallen lassen. Jedes Jahr zum Beginn der großen Ferien wird ein gemeinsames Pasta-Pizzaessen im Pfarrheim organisiert.
Unser Kirchenchor hat derzeit (Mai 2005) 25 Mitglieder, einschließlich Organistin und Chorleiter. Wir sind sehr stolz, dass bis zum heutigen Tag die Soli in allen Chorwerken mit eigenen Kräften und hervorragenden Stimmen aufgeführt wurden.
Pfingstsonntag 2005: wir singen die Nicolaimesse von Joseph Haydn, leider fehlen sechs Chormitglieder!
Derzeitige Mitglieder unseres Chores, Namen in alphabetischer Reihenfolge:
Leitung: Heinz Neubauer
Sopran
Alt
Tenor
Bass
Veronika Bauer
Claudia Bauer
Franz Grund
Florian Bauer
Fini Donhauser
Regina Bauer
Paul Jaeger
Hermann Brandl
Eva Graf
Hildegard Blasi
Adolf Kußmann
Hanni Höpfl
Elisabeth Glas
Rudolf Rauscher
Cynthia Jaeger
Sigrid Haase
Conny Krause
Maria Neubauer
Waltraud Lautner
Hemma Neumann
Josephine Rohde
Schwester Rudolfa
Elisabeth Urban
Organistin: Tomoko Kawanabe
Ich möchte den kleinen Aufsatz über unseren Kirchenchor nicht schließen, ohne auch an vier verstorbene Chormitglieder zu erinnern, die jahrzehntelang als herausragende Solisten im Chor mitwirkten und mit ihren schönen Stimmen die gute Qualität des Chores bestimmten. Durch ihren unermüdlichen Einsatz, besonders in den schwierigen Nachkriegszeiten, haben sie das Überleben des Chores mit ermöglicht. Neben dem bereits erwähnten Chorleiter Karl Engelländer sind dies:
Ludwig Hoisl Tenor, gest. 1965, Mitgl. seit ca. 1920
R.I.P.
Angela Monn Alt, gest. 1995, Mitgl. seit ca. 1926
R.I.P.
Konrad Lautner Bass, gest. 1997, Mitgl. seit 1945
R.I.P.
Lisi Weiß Sopran, Alt gest. 2004 Mitgl. seit ca. 1926
R.I.P.
Heinz Neubauer, Mai 2005