St.Korbinian Unterhaching
Die neue
katholische Schwangerschaftsberatung im Kontext
der Werteentwicklung in unserer Gesellschaft.
Protest
gegen den Ausstieg der Kirche aus der Beratung; Die Kirche läßt die Frauen
in ihrer Not allein. Ist es nicht seit gut einem Jahr immer wieder so in der Zeitung
gestanden und in den Nachrichtenmedien so gesagt worden. Seltsame Logik! Der Papst hatte
den deutschen Bischöfen dringend nahe gelegt, bei der notwendigen Schwangerstaftsberatung
keinen Schein mehr auszustellen. Der bewirke nämlich in vielen Fällen das
Gegenteil, nämlich die Tötung eines Kindes, anstatt es durch die Mutter auszutragen und
am Leben zu erhalten. Dafür und zu nichts anderem gibt es die Mutterschat, das neue Leben
in ihr ist von Anfang an nichts anderes als menschliches Leben. Ihm steht deshalb
personale Würde zu wie jedem anderen mit Leib und Seele begabten Menschen.
Allen Unheilspropheten zum Trotz: Die Kirche berät weiterhin
Frauen, nur nicht mehr nach den Vorgaben des Staates, der ein nach wie vor
verfassungswidriges Abtreibungsgesetz aufgrund menschenunwürdiger
Fristenlösung durchsetzt.
Daß dies Thema unseres Osterpfarrbriefes ist, kommt von daher,
daß wir alle hier vor einer Herausforderung stehen, die unsere radikale Umkehr verlangt.
Ohne sie kämen wir höchstens zu einem eingebildeten Osterfrieden. Ihre Seelsorger
können Ihnen jedoch nur den umfassenden Frieden wünschen und die vorbehaltlose Freude,
die Jesu Auferstehung uns schenken will. Der Ursprung unserer Hoffnung ist die
Auferstehung. Dazu wünsche ich Ihnen freimütigen, seligen Glauben
Ihr Pfarrer
Konrad Schmid
und Ihr Diakon
Nicola Capin
1. Ruf zur Umkehr
Was immer die Kirche macht, immer steht es im Zusammenhang mit
dem Ruf Jesu nach Umkehr und seine Anwendung auf einen Aspekt unseres alltäglichen
Lebens. Das gilt auch für die Praxis der katholischen Schwangerschaftsberatung. Eine
Mutter mehrerer Kinder hat das deutlich zum Ausdruck gebracht, wenn sie sagt: Ein
Kind kommt immer zur Unzeit. Es fragt nicht an: darf ich kommen, entspricht das
Eurem Wunsch oder Eurer Lebensplanung? Ein Kind bringt immer etwas durcheinander, es sei
denn, es wird vorbehaltlos angenommen.
Ein Kind kommt zur Welt, weil Gott es geschaffen hat Eltern
schulden dem Kind ihre Bereitschaft. Darum lehrt der Papst keine Geburtenplanung, sondern
Verantwortung der Elternschaft.
Geht das ohne Umkehr? Umkehr ist immer etwas Umfassendes. Nie
kann ich umkehren nur in einer Teilfrage. Ich muß den ganzen Zusammenhang, also den
Zusammenhang mit dem Ganzen im Auge haben, sonst wird Umkehr nie gelingen, weil die
Voraussetzungen nicht stimmen. Die von uns geforderte Umkehr hat einen Namen, der sich mit
dem Namen Jesu Christi verbindet: Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der
nimmt mich auf.
Das
Unwort Abtreibung:Die
Bezeichnung Abtreibung ist bereits Ausdruck der Herauslösung des ungeborenen
Kindes aus der Lebensgemeinschaft mit der Mutter und auch der Familie. Sie verschleiert
die wahre Natur des Ungeborenen als Menschenkind, als Kind Gottes und verdrängt seine
Würde. Viele Christen haben sich dieses Unwort aufdrängen lassen. Bekundet es nicht die
eigenartige Fähigkeiten, sein Gewissen zu ideologisieren, d.h. Seinen Spruch von
bestimmten Bereichen auszugrenzen. Das meint der hl. Paulus, wenn er von denen spricht,
die keine Hoffnung haben.Zur Schwangerschaftsberatung der Kirche speziell hat
unser Kardinal in der Silvesterpredigt einiges klar gestellt:
Beratungsstellen,
die mit der Kirche verbunden sind, dürfen die vom Staat verlangte Beratungsbescheinigung
nicht mehr ausstellen. Eine kirchenunabhängige Einrichtung, welche eine
Organisationsform weltlichen Rechtes hat, ist von der Entscheidung des Papstes nicht
betroffen. Für solche Einrichtungen kann nicht der Anspruch erhoben werden, eine
kirchliche oder katholische Beratungsstelle zu sein, auch wenn darin katholische Christen
eine Beratung durchführen. ... Ich hoffe, daß mit dieser Klarstellung und
mit der Neuordnung der Beratung die Auseinandersetzungen zu Ende gehen und mit vereinten
Kräften für den Schutz des Lebens der ungeborenen Kinder gearbeitet wird, und wir die
Wahrheit in Liebe tun. Über diesem Zusammenhang ist es bedrückend, daß ein nicht
geringer Teil der Bevölkerung die Auffassung vertritt, daß unter bestimmten Umständen
menschliches Leben getötet werden dürfe. Die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens
wird nicht mehr allgemein anerkannt. Dies zeigt sich bei der Beurteilung des
therapeutischen Klonens, das in Grossbritannien vor kurzem gesetzlich geregelt wurde. ...
MAN DARF
NICHT DEN EINEN TÖTEN, UM DEN ANDERN ZU HEILEN.
.. Wer auf
dieser ethischen Grenzmarkierung menschlichen Tuns besteht, trägt keine ideologischen
Scheuklappen, sondern verteidigt die Wahrheit und das Recht des Menschen auf Leben.
Es wäre
sehr gefährlich und dem Leben höchst unangemessen, würden wir eine Frage, bei der es um
Leben oder Tod geht, lediglich damit lösen, daß wir dabei menschlichen Bedürfnissen
gerecht würden. Bedürfnisse werden durch Rechte, nicht Rechte durch Bedürfnisse
geregelt. Beachten Sie von daher einmal die 10 Gebote Gottes. Da lernen wir eindeutig,
daß kein Gebot dem Mitleid geopfert werden kann. Eine Beratung im kirchlichen Auftrag
kann sich da nicht nach einer Beratung staatlichen Rechtes richten.
Menschliche Bedürfnisse und nicht die Wahrheit vom Leben
bestimmen auch die Bestrebungen, die uns bekannt sind unter den Stichworten Klonen und
Euthanasie. Das kann hier nur vermerkt sein, um die ganze Bandbreite der einen Problematik
zu kennzeichnen, die da heißt: wie gehen wir um mit dem Leben und mit dem immer noch
gültigen Schöfpungsauftrag Gottes an die Menschen.
Es geht dabei um die rechte Gewichtung bei den kultureller
Grundlagen. Damit beschäftigen wir uns in einem zweiten Kapitel.
2. Bei politischen
Parteien finden wir immer noch kein Umdenken.
In den Jahren unserer schwierigen und heroischen Geschichte
haben wir es versäumt, den besonderen Rechten und Bedürfnissen der Frauen, die mit ihrer
Rolle als Mutter und Hausfrau und ihrer unerläßlichen erzieherischen Funktion
zusammenhängen, genügend Beachtung zu schenken. Heute engagieren sich die Frauen in der
wissenschaftlichen Forschung, arbeiten auf Baustellen, in der Industrie und im
Dienstleistungssektor und sind schöpferisch tätig und haben daher nicht mehr genügend
Zeit, um ihren täglichen Pflichten zu Hause nachzukommen dem Haushalt, der
Erziehung der Kinder und der Schaffung einer familiären Atmosphäre. Wir haben erkannt,
daß viele unserer Probleme im Verhalten vieler Kinder und Jugendlicher, in unserer
Moral, der Kultur und der Produktion zum Teil durch die Lockerung der familiären
Bindungen und die Vernachlässigung der familiären Verantwortung verursacht werden. Dies
ist ein paradoxes Ergebnis unseres ernsthaften und politisch gerechtfertigten Wunsches,
die Frau dem Mann in allen Bereichen gleichzustellen. ...
Mit der Perestroika haben wir angefangen, auch diesen Fehler zu
überwinden. Aus diesem Grund führen wir jetzt in der Presse, im öffentlichen
Organisationen, bei der Arbeit und zu Hause hitzige Debatten über die Frage, was zu tun
ist, um es denn Frauen zu ermöglichen, zu ihrer eigentlichen weiblichen Lebensaufgabe
zurückzukehren.
Es handelt sich um ein Buch, das noch aus der Zeit vor dem Fall
des eisernen Vorhanges und aus dem Gebiet östlich dahinter stammt: aus
Gorbatschows Buch Perestroika, herausgegeben im Herbst 1987 zuerst in Amerika
und im gleichen Jahr noch im damaligen Westdeutschland.
Soweit Gorbatschow, und zwar noch in seinen Tagen als
Generalsekretär der KPSU. Rings um ihn galt noch die volle stalinistisch-leninistische
Ideologie, in der das Kommunistische Manifest eines Karl Marx noch volle Gültigkeit
hatte. Darum einige Sätze aus der deutschen Ausgabe des Jahres 1872. Marx und Engels
ihrer Vorrede folgende Bemerkung eingefügt: Das Manifest ist ein geschichtliches
Dokument, an dem zu ändern wir uns nicht mehr das Recht zuschreiben. Mit dieser
Bemerkung maßen Marx und Engels sich an, dieses Manifest auf gleiche Ebene mit dem
Evangelium stellen.Gorbatschow ist der erste aus dem sozialistischen Bereich, der diese
Anmaßung in Frage stellt. Bezeichnenderweise haben seine demokratischen Genossen im
Westen dies bis heute auf der ganzen Linie ignoriert. Die Aussagen des Kommunistischen
Manifestes werden durch die jüngste Entwicklung voll bestätigt:
Die materialistische Ideologie des Kommunismus leitet die
jeweiligen Bedingungen des Lebens in vollem Umfang aus materiellen Gegebenheiten her.
Demgemäß weiß Karl Marx über die Familie folgendes zu sagen:
Die Lebensbedingungen der alten Gesellschaft sind schon
vernichtet in den Lebensbedingungen des Proletariats. Der Proletarier ist eigentumslos;
sein Verhältnis zu Weib und Kindern hat nichts mehr gemein mit dem bürgerlichen
Familienverhältnis. ... Die Gesetze, die Moral, die Religion, sind für ihn ebenso viele
bürgerliche Vorurteile, hinter denen sich ebenso viele bürgerliche Interessen
verstecken. ... Das Proletariats, die unterste Schicht der jetzigen
Gesellschaft, kann sich nicht erheben, nicht aufrichten, ohne daß der ganze Überbau der
Schichten, die die offizielle Gesellschaft bilden, in die Luft gesprengt wird. An
späterer Stelle steht dann das apodiktische Postulat zu lesen: Aufhebung der
Familie!
Soweit Karl Marx. Jede Revolution nimmt ihren Ausgang und ihren
Anlaß aus Ungerechtigkeiten, unter denen Viele zu leiden haben. Wenn sich mitreißende
Vordenker finden, kann es gelingen, haßerfüllte und rachgierige Emotionen zu schüren,
kraft derer dann mit bestimmten Zielvorstellungen Hoffnungen vortäuscht werden, die man
sich gierig aneignet. Solche Dinge halten sich sehr lange, auch wenn sie von Grund her
verlogen sind. Denn das das Entscheidende ist dabei weniger die Sache, als der Haß.
Der Marxismus leitet seine Gesetze von Emotionen her und wir
haben wahrlich zu Genüge gesehen, welches Ausmaß an Leid und Zerstörung sich dadurch
einstellt.
Ein von Emotionen befreites Denken setzt innere Umkehr voraus,
ist Geschenk einer selbstkritischen Einstellung, die aber das beharrliche Gebet im
Geist und in der Wahrheit voraussetzt. Solches Beten ist die beste Schule für
unabhängige Urteilsfähigkeit. Unser Gebet soll ja nicht aus irgendwelcher
Launenhaftigkeit heraus geschehen, sondern in gehorsamer Anbetung in Freude und in Leid.
3. Warum nur
Beratung ohne Schein?
Manche Themen laufen unter einem Titel umher, der über den Kern
des Problems überhaupt nichts aussagt. Das hat sich herausgestellt bei der ersten
Formulierung unseres Themas in der Einladung, wo es bloß heißt: Kirchliche
Schwangerschaftsberatung. Was stellen wir uns darunter vor? Wir stellen uns das vor,
wozu unsere Emotionen uns anregen. Dabei merken wir gar nicht, daß die Gefühle vieler
Menschen längst in eine ganz bestimmte Bahn gelenkt sind und das geht sehr leicht. Wir
müssen uns darum die Zeit nehmen, unser brandaktuelles Thema in umfassendem Zusammenhang
vorzunehmen, wie ich es versuche in meinem Arbeitstitel.: Die katholische
Schwangerschaftsberatung im Kontext der geistigen Entwicklung nach Kriegsende.
Schon das Thema Schwangerschaftsunterbrechung gibt
bereits eine ganz bestimmte Wertung wieder. Der Ausdruck Unterbrechung besagt
ja etwas Normales, Wertfreies. Unterbrechen, das machen wir doch in der Fastenzeit.
Unterbrechen, innehalten, aufhören mit etwas, das nicht gut ist. Fasten, sich Abbruch
tun, befinden wir uns da nicht im Bereich einer frommen Praxis, die uns zu christlichem
Menschsein verhilft? Wer etwas Böses unterbricht, befindet sich bereits mindestens
halbwegs auf dem Weg des Guten.
Derartige Denkspiele im Hinterkopf zeigen uns, daß wir leicht an
der eigentlichen Problematik uns vorbeimogeln lassen. Das eindeutige Wort TÖTEN müßte
vorkommen. Das aber bleibt verborgen: so deutlich drückt man sich doch nichtg aus! Das
Wort Töten kann leicht unter den Tisch fallen in einer Zeit, in einer Gesellschaft, die
den Tod längst aus ihrer Mitte verdrängt hat. Fällt da was auf? Gleichzeitig leben
Filme von ergiebigen Einschaltquoten, in denen mit dem Leben höchst wegwerfmäßig
umgegangen wird. Das Töten wird dort zum Nervenkitzel heruntergespielt und
heruntergespult. Ein Umgang mit hohem Adrenalinkitzel. Spielt sich ja nur in der
Flimmerkiste ab; daß gleichzeitig die Phantasie verdorben wird, weil schlechtes Beispiel
immer auch den Charakter zu verderben geeignet ist, das wissen wohl die Psychologen, sie
spielen den Umstand gleichzeitig herunter. Man kann doch das Geschäft nicht verderben und
die jungen Leute müssen das Leben ungeschminkt kennen lernen. Bis sie zwanghaft-stur
ausüben, wovon ihre Phantasie längst, ohne Gewissenskontrolle, längst erfüllt ist.
Das noch ungeborenen Leben wird nach gleichem Gesichtspunkt
betrachtet. Man sieht ja nicht hinein in den Mutterleib. Was weiß man schon von so einem
Wesen, keine 12 Wochen alt, ca. 7-8 cm groß, ausgebildete Arme und Beine hat, die
Fußsohlen mit fertigen Zehen? Wie hat neulich der neue Bundeskultusminister Rümmelin
gesagt: ein 14 Tage alter Fötus sei noch kein Mensch, weil er noch keine Selbstachtung
habe. Die Frist der 14 Tage hat er dabei für das Klonen gebraucht.
Zu behaupten, der Embryo beginne erst von einem bestimmten
Stadium an, Mensch zu sein, ist unwissenschaftlich.
Wann beginnt die Beseelung des Fötus? Sie beginnt nicht, sie ist
da, nur von Anfang an da. Wenn Seele und Leib in so enger, unlösbarer Beziehung
existieren, daß ihre Trennung zugleich den unwiderruflichen Tod bedeutet, dann können
Leib und Seele nur von Anfang an in untrennbarer Koexistenz, ja in untrennbarer
Personalität bestehen, weil eines der beiden ohne das andere nicht sein kann. Die
Personwürde gibt es nicht erst in und mit einem bestimmten Entwicklungsstand. Den
Menschen ohne Personalität gibt es nicht. Auch der Behinderte ist personaler Mensch.
Unsere Rechtsprechung schließt übrigens den Embryo in die Erbfolge ein.
Über all das wird bei der Beratung mit Schein
einfach hinweggesehen. Ein eigenartiger Widerspruch: Es soll hilfsbereit hingeschaut
werden auf die Not einer Schwangeren. Genau die so oft beklagte
Wegschau-Mentalität ergibt sich eigenartiger Weise im selben Moment, in dem
die Personwürde des ungeborenen Kindes ignoriert wird bzw. gegenüber dem Recht auf das
eigene Leben hintangestellt wird.
4. Wir bemühen uns
um die Sicht des Ganzen.
Schwangerschaftsberatung kann das Schicksal des
ungeborenen Kindes niemals isoliert sehen und behandeln vom Gesamtkomplex: Familie,
Weitergabe des Lebens in der Familie, von der Beziehung zwischen Freiheit und
Menschenwürde und damit von der Beziehung zu Gott, besser gesagt: von der Verehrung und
Anbetung Gottes. Wenn es stimmt, daß der Mensch von Gott geschaffen wurde nach seinem
Bild und Gleichnis, dann ist es die erste Aufgabe des Menschen, Gott seinen Schöpfer zu
erkennen, sein Angebot der Liebe zu beantworten, ihm zu dienen und einst auf ewig selig zu
werden.
Das ist unser erster Ausgangspunkt. Schwangerschaftsberatung muß
dann unbedingt gesehen werden von der Würde der Frau her. Wir Männer können uns kaum
hineindenken in die Befindlichkeit, von welcher die Frau gesegneten Leibes umgeben ist.
Ich kann nur in Erinnerung an die eigene Mutter erahnen, was es heißen mag, daß da ein
Kind nicht anders existieren kann als auf Gedeih und Verderb in Symbiose mit der Mutter.
Von ihrer natürlichen, biologischen Anlage her ist die Frau berufen, das Leben zu hüten.
Darum gehören Vater- und Mutterschaft zusammen. Diese Berufung geht jedem weiteren
gesellschaftlichen oder gar wirtschaftlichen Aspekt oder Anspruch voraus.
Die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts haben in bis dahin
nicht vorstellbarer Weise dazu beigetragen, das Leben, das personale Leben zu entwerten,
Es höchstens gelten zu lassen im Dienst einer Ideologie. Das blieb nicht beschränkt auf
die Selektion in lebenswertes und lebensunwertes Leben, genausowenig auf den Soldatentod.
Die Bombennächte haben das Leben von Zivilisten, von Frauen und Kindern grauenvoll in
diesen Vorgang einbezogen. Übrigens auch bei der unmenschlich von den vier Mächten
geplanten Vertreibung und Verschacherung von Millionen Menschen. War die Endlösung
der Judenfrage diktiert von unvorstellbarer unmittelbarer Menschenverachtung und
Grausamkeit, so diese Vertreibung von unerfindbarem Zynismus mit dem erklärten Ziel: die
werden sich dann schon gegenseitig zugrunderichten. Das sollten wir nicht vergessen wenn
wir uns fragen, warum wir von einer schwangern Frau zu sagen uns so schwer tun, sie sei
gesegneten Leibes, wir wir das im Gegrüßet seist du Maria auf die
Gottesmutter selbstverständlich anwenden.
In der letzten Silvesterpredigt hat der Herr Kardinal die Einheit
und Zusammengehörigkeit von Wahrheit und Liebe betont. Über die Ehe bekräftigte er die
Lehre der Kirche: Ehe und Familie gehören zu den tragenden Elementen der
Gesellschaft, des Staates und auch der Kirche. Dann erinnert er an eine Pflicht des
Staates, die sich logischerweise daraus ergibt: Der Staat ist durch das Grundgesetz
in die Pflicht genommen, Ehe und Familie in besonderer Weise zu schützen und zu fördern.
Eine seiner vornehmsten Aufgaben ist es, möglichst gute Voraussetzungen zu schaffen,
damit Ehepaare sich in Freiheit entscheiden können, Kindern das Leben zu schenken und sie
auch nach ihren moralischen und religiösen Vorstellungen zu erziehen.
Was bedeuten dem gegenüber die gegenwärtigen eindeutigen
Vorhaben der rotgrünen Regierung, neben die Ehe als der Grunmdlage staatlicher Ordnung
alternative Lebensgemeinschaften mit gleichen Rechten auszustatten,
eingeschlossen die Lebensgemeinschaft von Mann und Mann oder Frau und Frau?
Sie haben vor zwei Wochen bestimmt von Bestrebungen innerhalb der
evang. Kirche gehört, die Ehescheidung zu segnen Hat mich doch ein junger
Journalist von einer Münchner Boulevard-Zeitung am Telefon gefragt, wie die Kath. Kirche
sich da verhalte. Die Gesellschaft habe sich doch längst mehrheitlich für Scheidung
entschieden, dem müsse die Kirche sich anpassen. Täuschen wir uns nicht! Auch in der
Katholischen Kirche wird mit derartigen Ideen geliebäugelt. Vornehmlich dort, wo die
Liturgie der Kirche als Ritual gewertet wird, als lediglich gesellschaftlicher
Vorgang Das Ritual gibt es auch im Sozialverhalten der Tiere. Es lebt von der
starren Regel. Es braucht nicht den personalen Anspruch des Im Geist und in der
Wahrheit, das Kennzeichen der Anbetung ist seit Jesus von Nazareth, wie das in der
Liturgie der Kirche und ihren Riten vorausgesetzt ist.
5. Geschichtlicher
Werdegang dieser Ideen.
Im diesjährigen Fastenhirtenbrief schreibt Kardinal Wetter:
Wir lassen uns Bedürfnisse einreden. Nicht nur Bedürfnisse; vorher werden
Werte verhöhnt, Werte, umgeformt, Unwerte eingeredet. Das ist in den letzten paar
Jahrzehnten gezielt geschehen. Dann spricht man entschuldigend von einem
Wertewandel. Das derzeit sich in unserer Gesellschaft sich findende
Wertebewußtsein ist weitgehend kaum kritisch reflektiert, ist kaum Frucht und Erkenntnis
aus leidvoller Erfahrung. Es gibt über unsere persönliche Erfahrungen hinaus
grundlegende Menschheitserfahrungen, für die das vergleichweise kurzen Leben
eines Einzelnen niemals ausreichen könnte.
Es handelt sich dabei um ein dem Tagesverhalten übergeordnetes
Bewußtsein. Nicht um eine Sinn-Erkenntnis, die unseren Bedürfnissen folgt,
um einen Sinn, den ein Verhalten hat, sondern um einen bedürfnisorientierten Sinn, den
ich mache. Sie hören die sinn-lose Wendung heraus, wenn da gesagt wird, etwas macht
Sinn.
Für diese Entwicklung nun einige Kostproben.
Die rot-gelbe Regierung Ende der 70er und 80er Jahre hat an einem
Familienbericht gearbeitet, in dessen Vorentwurf folgende Zitate sich finden: (1974)
Erziehung der Kinder ist eine gesellschaftliche Aufgabe
besonderer Art und Bedeutung. Die Wahrnehmung dieser Aufgabe überträgt unsere
Gesellschaft Familien und außerfamiliären Einrichtungen
Das Kind ist nach heutigem Rechtsbewußtsein nicht als Objekt
elterlicher Fremdbestimmung anzusehen.
Die Nichtübereinstimmung zwischen Vater und Mutter
eröffnet den Kindern Möglichkeiten freier Entfaltung und eigener Originalität
daß nicht legalisierte Partnerschaften, Wohngemeinschaften,
Kollektive etc. gegenüber der historischen Form der heutigen Form der »Normalfamilie«
nicht benachteiligt werden dürfen.
Zum Muttertag 1979 fand sich in der Süddeutschen
Zeitung folgende Glosse: Wußten Sie schon, daß manche Kinder, die am meisten
Grund zur Dankbarkeit hätten, ihren Müttern schon deshalb keine Blumen schenken können,
weil sie nie geboren wurden
Dann kommt natürlich die Rede vom Recht auf
Abtreibung.
Die Herkunft derartiger Ideen aus der Mentalität des
kommunistischen Manifestes von 1848 ist wohl offenkundig. Die Akteure der sogenannten 68er
Jahre haben sich gewalttätig dafür eingesetzt, diese Ideen unters Volk zu bringen. Wenn
ich an den hemmungslosen Wortschwall mancher derzeitiger Regierungsvertreter in Berlin
denke, dann signalisiere ich damit, wie sich die Indoktrination damals bei Demonstrationen
und sonstigen Veranstaltungen abgespielt hat und zwar mit logistisch geplanter
Gewaltausübung. Wobei die Steine keineswegs bloß so einfach in die Luft geworfen wurden.
Erinnern wir uns: diese Indoktrination richtete sich gegen Staat
und Gesellschaft. Gegen Autorität, gegen alles, was Institution ist. Damit sollte vor
allem die Kirche getroffen werden, ohne sie dabei direkt anzugreifen. Alle Bindung sei
gegen die Freiheit und darum mußten auch die 10 Gebote abgeschafft werden. Dazu hat man
einfach den Menschen auf seine Bedürfnisse reduziert. Wir kennen die Parolen, die heute
noch umlaufen. Gegen die Ehe als Institution: wozu brauchen wir den Trauschein, wenn wir
uns lieben. Vater- und Mutterschaft werden weithin nicht mehr als juristisch notwendige
Vorbedingung zur Weitergabe des Lebens gesehen. Dann natürlich die Entwicklung auf eine
Ehescheidungsmentalität hin. Das wird unterstützt durch eine Einstellung der Ehe
gegenüber als einer Chance gegenseitiger Bedürfnispflege. Solche Gesinnung erträgt
natürlich die Ehe kaum als Institution.
6. Wie der Papst
diese Entwicklung sieht
Am Hochfest Peter und Paul des Jahres 1995 hat Papst Johannes
Paul II. einen Brief an sämtliche Frauen der Welt geschrieben. In fast hymnischer Weise
redet er die Frau wie in Persona an und schreibt:
Dank sei dir, Frau als Mutter, die du dich in der Freude
und im Schmerz einer einzigartigen Erfahrung zum Mutterschoß des Menschen machst, die du
für das Kind, das zur Welt kommt, zum Lächeln Gottes wirst, die du seine ersten Schritte
lenkst, es bei seinem Heranwachsen betreust und zum Bezugspunkt auf seinem weiteren
Lebensweg wirst.
Dank sei dir, Frau, als Braut, die du dein Schicksal
unwiderruflich an das eines Mannes bindest, in einer Beziehung gegenseitiger Hingabe im
Dienst an der Gemeinsamkeit und am Leben.
Dank sei dir, Frau als Tochter und Frau als Schwester, die du in
die eigene Familie und dann in das gesamte Leben der Gesellschaft den Reichtum deiner
Sensibilität, deiner intuitiven Wahrnehmung, deiner Selbstlosigkeit und deiner
Beständigkeit einbringst.
Dank sei dir, berufstätige Frau, die du dich in allen Bereichen
des sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen, künstlerischen und politischen Lebens
engagierst, für deinen unverzichtbaren Beitrag zum Aufbau einer Kultur, die Vernunft und
Gefühl zu verbinden vermag, zu einem Verständnis vom Leben, das stets offen ist für den
Sinn des Geheimnisses, zur Errichtung wirtschaftlicher und politischer
Strukturen, die mehr Menschlichkeit aufweisen.
Dank sei dir, Frau, im Ordensstand, die du dich nach dem Vorbild
der größten aller Frauen, der Mutter Christi, des fleischgewordenen Wortes, in
Fügsamkeit und Treue der Gottesliebe öffnest und so der Kirche und der ganzen Menschheit
hilfst, Gott gegenüber eine bräutliche Antwort zu leben, die auf wunderbarer
Weise Ausdruck der Gemeinschaft ist, die er zu seinem Geschöpf herstellen will.
Dank sei dir, Frau, dafür, daß du Frau bist! Durch die deinem
Wesen als Frau eigene Wahrnehmungsfähigkeit bereicherst du das Verständnis der Welt und
trägst zur vollen Wahrheit der menschlichen Beziehungen bei.
Der Papst kommt dann in seinem Brief an die Frauen auf die
vielfältigen Benachteiligungen zu sprechen, welche das Schicksal der Frau in Geschichte
und Gegenwart belasten. Man denke nur daran, wie das Geschenk der Mutterschaft, dem
doch die Menschheit ihr eigenes Überleben verdankt, oft eher bestraft als belohnt
wird.
Ich lasse den Papst weiter sprechen: Wie könnten wir ...
die lange und erniedrigende ... Geschichte der im Bereich der Sexualität gegenüber
Frauen verübten Gewalttätigkeiten unerwähnt lassen? ... Im Namen der Achtung der
menschlichen Person müssen wir außerdem Anklage erheben gegen die verbreitete, von
Genußsucht und Geschäftsgeist bestimmte Kultur, die die systematische Ausbeutung der
Sexualität fördert, indem sie auch Mädchen im jungen Alter dazu anhält, in die Fänge
der Korruption zu geraten und sich für die Vermarktung ihres Körpers herzugeben.
Wieviel Hochachtung verdienen angesichts solcher Entartungen
hingegen die Frauen, die mit heroischer Liebe zu ihrem Kind eine Schwangerschaft
austragen, die durch das Unrecht ihnen gewaltsam aufgezwungener sexueller Beziehungen
zustande gekommen ist; was nicht nur im Rahmen der Greueltaten vorkommt, die sich leider
im Zusammenhang mit den auf der Welt noch immer so häufigen Kriegen ereignen, sondern
auch in Situationen des Wohlstandes und de Friedens, die oft durch eine Kultur eines
hedonistischen Permissivismus verdorben sind, in dem nur allzu leicht auch die Tendenzen
eines aggressiven Männertums gedeihen. Unter solchen Umständen ist die Entscheidung zur
Abtreibung, die freilich immer eine schwere Sünde bleibt, eher ein Verbrechen, das dem
Mann und der Mitwirkung des Umfeldes anzulasten ist, als eine den Frauen aufzuerlegende
Schuld.
7. Gezielte Lügen
und Halbwahrheiten
Wir müssen nun genau unterscheiden zwischen den schicksalhaften
Anfechtungen gegenüber unserer Werteordnung, die aus Not und Elend kommen, und den
gezielten Machenschaften, die sie auszuhebeln versuchen. Die schicksalhaften Anfechtungen
betreffen Nöte und schmerzliche Erfahrungen, durch welche unsere Standfestigkeit ins
Wanken gerät. Davon zu unterscheiden sind die beabsichtigen, ideologischen Anfechtungen,
mit denen gezielt eine Werteordnung ins Wanken gebracht wird. Hier werden Halbwahrheiten
ins Spiel gebracht und Selbstverständlichkeiten in ein falsches Licht gesetzt.
Ein Paradebeispiel dafür ist die Entwicklung in der Wertung der
Homosexualität. Halbwahrheit: es wird zumindest nicht zugegeben, daß es wissenschaftlich
noch nicht schlüssig erwiesen ist, ob es sich dabei um ein schicksalhaftes, vielleicht
vererbbares Naturereignis handelt oder um eine Gegebenheit, die durch Umwelteinflüsse
oder Erziehung oder psychologisch bedingt verursacht und damit mehr oder weniger heilbar
ist. Wenn dadurch auch im konkreten Einzelfall die Situation nicht einfacher wird, so ist
es doch wesentlich, welche Schlüsse daraus gezogen werden. Die Diskriminierung des
Normalen ist jedenfalls offensichtlich.
Ein für uns wichtiger Gesichtspunkt scheint mir dabei fast
völlig unterzugehen. Das Gebot der Keuschheit wird völlig ignoriert. Vielmehr ist das
seit längerer Zeit als selbstverständlich vorausgesetzte Anspruchsdenken auf sexuelle
Freizügigkeit in logischer Folgerichtigkeit auch auf die Homosexualität anzuwenden. Eine
gezielte Parole aus der Protestgeneration, die zunächst für das vorgebliche Recht auf
Tötung Ungeborener gedacht war, nämlich mein Bauch gehört mir, hat nämlich
auch die zwar unausgesprochene Parole bewirkt: meine Lust gehört mir. Dabei
stört auch die ideologische Inkonsequenz in keiner Weise, nämlich die Verantwortung
gegenüber einer Sozialverträglichkeit bei allen Gegebenheiten des Leben. Gilt die auf
linker Seite sonst nicht als absolut selbstverständlich? Sie ist ausgerechnet von dort
her schmerzlos außer Kraft gesetzt. Dies sogar, wenn es um das Adoptionsrecht
Homosexueller geht. Die verhängnisvolle psychische Langzeitwirkung auf das Kind spielt da
keine Rolle, wo das Komische zur Norm geworden ist. Hat es vielleicht so etwas schon
gegeben, daß zwei Männer als Vater und Mutter sich aufführen?
Zusammenfassung und
Schlußfolgerung.
Was fällt auf? Es gibt eine gezielte Engführung der Problems
auf Härtefälle, wobei das Normale aus dem Blickfeld gerät.
Die Kirche muß wieder ein Loblied singen vom Wert von Familie
und Kind und Geschwistern, von der großen Aufgabe der Elternschaft. Vater und Mutter
müssen zu Leitfiguren werden in unserer Kultur. Wo es Geschwister gibt, da werden auch
die Alleinerziehenden nicht mehr gar so allein sein müssen. Lassen wir uns dieses Hohe
Lied nicht vermiesen, so, als gäbe es nur lauter Probleme in den Familien. Würden wir
die Idylle aus unseren Sehnsüchten vertreiben, könnten wir gleich ganz Weihnachten,
Ostern und Pfingsten in einem abschaffen. Gerade hier aber erwächst eine grundlegende
Sensibilität für Verständnis und Hilfsbereitschaft gegenüber Notleidenden. Nie aber
konnte die Kirche eine Einstellung dulden, die solche Hilfsbereitschaft auf Kosten anderer
empfohlen hätte. Vor allem nicht, wenn es auf Leben und Tod geht.
Als nächsten Wert ist hervorzuheben die Jungfräulichkeit. Diese
Lebensform unterliegt seit Jahren geradezu einem Bombardement der Verunglimpfung und
Verhöhnung. Ganz klar, daß gerade dies der neuen Ich- und Selbstverwirklichung
entgegensteht. Vergessen wir nicht, daß ausgerechnet die Jungfräulichkeit es war, die
einst die schier übermenschliche Kraft hatte, in die Öffentlichkeit in sozialer, in
pflegerischer Hinsicht nachhaltig hineinzuwirken. Krankenpflege ohne Orden, geschichtlich
undenkbar! Der Papst erinnert in seinem Brief an die Frau an die gefühlsmäßige,
kulturelle und geistige Mutterschaft, die wegen ihrer Wirkung auf die Entwicklung der
Person und die Zukunft der Gesellschaft von wahrhaft unschätzbarem Wer ist..
Das alles muß zu Folgerungen führen in der Bau- und
Wohnungsgesetzgebung.
Aus der großartigen Enzyklika Fides et Ratio über
Glaube und Vernunft des Hl. Vaters vom 14.Sept. 1998 möchte ich zwei Bemerkungen an den
Schluß stellen. Die eine lautet:
Die Wahrheit, die Gott dem Menschen über sich und über
sein Leben übergeben hat, ist daher eingebettet in Zeit und Geschichte. (11)
Abgesehen von den geschichtlichen Bedingungen, welche unser Forschen und Lehren
berücksichtigen muß, ist hier auch gesagt, daß die Kirche strebt im Gang der
Jahrhunderte ständig der Fülle der göttlichen Wahrheit entgegen, bis sich an ihr Gottes
Worte erfüllen. Das verlangt unsere ständige Aufmerksamkeit.
Und die zweite:
Der Mensch von heute scheint immer wieder von dem bedroht
zu sein, was er selbst produziert, das heißt vom Ergebnis der Arbeit seines Verstandes
und seiner Willensentscheidung. Die Gefährdung des Menschen durch den Menschen.
Der große heilige Seelsorgerbischof Karl Boromäus von Mailand,
Staatssekretär Papst Pius IV im 16. Jahrhundert, hat einmal auch einmal über die Nöte
seiner großen Veratntwortung sich geäußert Der portugiesische Erzbischof Braga schrieb
ihm dazu:
Du beklagst dich, das Hirtenamt sei ein Hindernis deiner
Frömmigkeit. Es ist in Wirklichkeit nichts anderes, als die ständige Übung der
höchsten Tugenden: der Liebe, der Gerechtitkeit und des Erbarmens. Ob wir Kritik
üben oder lehren, versuchen wir alles zu bewerten von der Warte des göttlichen
Erbarmens. Für uns muß immer herauskommen der Dank für das Leben und für jede Freude. |