Kirchenzettel
St. Korbinian
13.05. - 19.05.2001
LIEBE IST EIN GEBOT JESU
DIE FROHE BOTSCHAFT ZUM 5. OSTERSONNTAG
LESUNG I (Apg 14,21-27): |
"Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen." |
LESUNG II (Offb 21,1-5): |
"Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen." |
| EVANGELIUM (Joh 13,31-35): | "Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander!" |
G O T T E S D I E N S T O R D N U N G
Sonntag 5. Ostersonntag Hl.
Servatius +4.Jh. |
Montag |
Dienstag |
Mittwoch Hl. Johannes Nepomuk +1393 |
Donnerstag |
Freitag Papst Johannes I +526 |
Samstag |
Sonntag 6. Ostersonntag Hl.
Bernhard v.Siena +1444 |
Gedenktage
| GEDENKTAGE: 13.05. Anna Held +1964, Maria Dormeir +71, Maria Kramarczyk +1976, Manfred Robl +81, Anton Nobis +1986, Angela Tatzer +96, Anna Schmid +2000; 14.05. Emil Zinsmeister +77, Erwin Peteranderl +85, Alois Schmid +86, Maria Festner +89, Anna Wiesenfahrt +92, Paul Leibel +95, Walburga Wickles +98, Franz Liebhart +99; 15.05. Anna Leibl +61, Maria Neumann +63, Josef Asang +67, Michael Satzger +68, Alfons Feldmeier +78, Paula Vierlinger +80, Linda Gerhardinger +93, Josef Strobel +95, Conceiquao Gomes da Silva +97; 16.05. Benedikt Huber +90, Anton Wahl +91, Maria Heigl +93, Konrad Lautner +97; 17.05. Max Rappl +54, Hans Durach +82, Josef Wildenauer +86, Angela Manet +94; 18.05. Karl Diem +75, Emma Hanel +79, Friederika Kroier +80, Johann Billeriß +81, Maria Baumann +89, Lothar Reichwein +92, Josef Siflinger +94, Maria Pfafflinger +98; 19.05. Angela Heimbach +88, Franz Wimmer 94 |
Predigt am 5. Ostersonntag
Manchmal schau ich ein Brautpaar an, das zum Brautunterricht kommt, und zähle dabei mit den Fingern von eins bis zwei. Von zwei sind eins 50%. Dann sag ich: nach der Statistik kann eines von Euch beiden wieder heimgehen. Denn Eines von Euch Zweien wird in ein paar Jahren wieder geschieden sein. So will es die Ehe-Statistik, nach der im Raum München bald die Hälfte der geschlossenen Ehen geschieden wird. Dann kann es sein, daß es betretene Blicke gibt. Seit 2000 Jahren verkündet die Kirche: Ein neues Gebot gebe ich euch. Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Im Wahn der Selbstverwirklichung wollen die Leute nicht mehr wahr haben, daß die Liebe ein Gebot ist. Kennt Jesus die Priorität des freien Willens nicht? Damit umreiße ich einen Bereich, in dem Erkenntnis und Meinung, in dem Erfahrung und Einbildung heillos verworren sind. Eine Meinung beruht nie auf Erkenntnis; eine Erfahrung bewahrt vor Einbildung. Keines dieser vier Begriffe ist mit einem anderen daraus austauschbar. Von einer Überzeugung, die aus Glauben kommt, ist kaum die Rede. Eine Meinung unterliegt der Beliebigkeit; für meinen Glauben stehe ich ein. Wir müssen uns ganz redlich diese Unterscheidung der Begriffe klar machen, bevor wir überhaupt daran gehen, nachzudenken über das Wort Jesu aus dem heutigen Evangelium: Ein neues Gebot gebe ich euch. Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Ein Gebot gebe ich euch. Nicht erst seit der antiautoritären Erziehung ist bei vielen Menschen, vor allem jungen Leuten, das Gebot verpönt. Und sie täuschen sich hinweg um ein hohes Gut des Menschseins. Nicht umsonst korrespondiert das Gebot mit dem sensibelsten Organ, das der Mensch hat, nämlich dem Gehör und da muß wieder auffallen, daß Gehör und Gleichgewicht in diesem gleichen Organ ihren Sitz haben. Das Gleichgewicht ermöglicht dem Menschen, die Mitte wahrzunehmen. Hat der Mensch seine Mitte verloren, der kein Gebot kennt? Die Selbstbestimmung kann von sich aus nur sich selber als die Mitte der Welt ausmachen. Damit landen wir aber im Chaos. Wo der Mensch sich selber der Nächste ist, da wird der Mensch zum Feind des Menschen. Das Gebot rührt in Wahrheit in die Mitte des Menschen. Davon weiß bereits die Hl. Schrift bei der Erzählung vom Sündenfall des Menschen. Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen. Doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon ißt, mußt du sterben. Erkenntnis von Gut und Böse: du kannst nicht darüber verfügen, was Gut und was Böse ist. Damit trennst du dich von Gott und fällst ins Chaos. Und eine zweite Lehre der hl. Schrift muß angeführt werden, sonst kommen wir keinen Schritt weiter. Im Schöpfungsbericht heißt es bei der Erschaffung des Menschen: Dann sprach Gott: laß uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich ... Gott schuf also den Menschen als sein Abbild: als Abbild Gottes schuf er ihn. Viermal wird hier derselbe Sachverhalt bekräftigt, nämlich daß der Mensch Abbild Gottes ist. Vier ist die kosmische Ordnungszahl. Nur mit diesem biblischen Menschenbild bringt der Mensch Ordnung ins Chaos, ohne dieses Menschenbild vergrößert er Leid und Chaos ins Unermeßliche. Beide Dinge sind im Grunde eine Botschaft: daß der Mensch nicht aus sich selber zur Ordnung findet, sondern nur, wenn er Gott als seine Zukunft anerkennt. Davon weiß keine naturwissenschaftliche Forschung. Wenn das doch viele sonst so gescheite Psychologen wahrnehmen würden! Viel an Leid könnten sie ihren Klienten ersparen. Allerdings würden viele Therapien nicht so endlos dauerten. Um die Gottebenbildlichkeit des Menschen wissen wir nur aus der Offenbarung der hl. Schrift. Was wir nur aus der göttlichen Offenbarung in Erfahrung bringen, das können wir nur im Gehorsam des Glaubens annehmen. Darum sind Gebot und Gehorsam zutiefst Angelegenheit der menschlichen Würde. Darum sagt Jesus: Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Jesus identifiziert seine Liebe mit dieser biblischen Zukunftsorientiertheit des Menschen. Er bekräftigt mit seiner Lehre das, was im Schöpfungsbericht steht. Er setzt dort an, wo dann der Sündenfall Tod und Chaos ins Leben gebracht hat. Durch sein Beispiel unterscheidet Jesus jene Liebe, die er lehrt, von jeder anderen menschlichen Liebeserfahrung. Es ist eine Liebe, die nicht aus momentaner Erfüllung lebt. Es ist eine Liebe, die sich erst im Tod erweist. Es ist eine Liebe, zu der wir Zugang haben erst in der Hoffnung und ist darum jene Liebe, die unmittelbar mit Gott verbindet. Eine Liebe, welche das Risiko eines ganzen Lebens trägt. Um dieser Liebe willen ist die Ehe Sakrament. Darum wird das christliche Selbstbewußtsein entmündigt durch alle Bestrebungen, die Unauflöslichkeit der Ehe um angeblicher Menschenfreundlichkeit willen aus der Kirche zu verbannen. Darum wäre auch das sakramentale Priestertum der Kirche von innen her ausgehöhlt, gäbe es den Zölibat nicht mehr. Spätestens hier müssen wir an die Apostelgeschichte erinnern, aus der wir vorhin gehört haben: Sie sprachen den Jüngern Mut zu und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten; sie sagten: Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen. Wenn wir ins Reich Gottes gelangen wollen, bleiben uns Drangsale nicht erspart. Das muß so sein. Darum versammeln wir uns auch unter dem Kreuz. Wir dürfen hier nichts verdrängen! Jesus spricht nicht von der menschlichen, psychologisch angesiedelten emotionalen Liebe, sondern von der göttlichen Tugend der Liebe. Wir können sie nur empfangen durch die hl. Taufe im Glaubensgehorsam. Dazu ist sehr wohl die menschliche Freiheit gefragt, da wir uns, aber wieder in und mit der Gnade Gottes, dazu frei entscheiden müssen. Hier treffen sich aber Gott und Mensch, um es so zu sagen, an ihrer empfindlichsten Stelle. Gnade und Freiheit müssen aufeinander zugehen. Die göttliche Gnade, deren Quell das am Kreuz geöffnete Herz des Sohnes ist und die menschliche Freiheit, die uns zusammen mit dem hl. Thomas den Finger in diese geöffnete Herzwunde legen und stammeln läßt: Mein Herr und mein Gott. Eine noch so heiße emotionale Liebe scheut die Wahrheit und das ist ihr Verhängnis. Darum geschieht es, daß eist so heiß Verliebte eines Tages sich eingestehen müssen: wir haben nichts Gemeinsames mehr, wir haben uns nichts mehr zu sagen. Hat ihre Liebe blind gemacht, sind sie der Wahrheit aus dem Weg gegangen? Haben sie Gott zum Ebenbild ihrer selbst gemacht? Eine Ehe, die gescheitert ist, war nicht oder bald nicht mehr getragen durch die göttliche Tugend der Liebe. Irgend wann wurden die Maßstäbe vertauscht und der Mensch ist sich selber zum Maßstab, zur Mitte geworden. Das Gehör war nicht mehr auf Gottes Wort gerichtet. Im Alltag hatte Gottes Ehre nicht mehr den Vorrang. Sonst könnte eine Ehe gar nicht scheitern. Sowas kann geschehen in der frömmsten Anwandlung. Selbst in der frömmsten Anwandlung kann Gottes Ehre ersetzt werden durch den Vorrang des Menschen. Verliert darum den Tod nicht aus den Augen. Er gehört mit zum Gleichgewicht des Lebens. Nur aus diesem Gleichgewicht heraus danken wir an jenes neue Jerusalem, in dem kein Tod mehr sein wird, keine Trauer, keine Klage und keine Mühsal, denn was früher war, ist vergangen. Alles Menschliche wird vergehen. Nur was im Menschen göttlich ist, wird bleiben und das ist sehr viel, das kann alles sein, wie bei den Heiligen. Das ist der große Trost der heutigen Botschaft. Amen. |
Zur "Sterbehilfe" - Diskussion
Die neue Regierungs - "Ethik-Kommission" soll Ordnung ins Gewirr der Meinungen bringen. Ob sie dazu imstande ist, kann in Frage gestellt werden. Was bisher herauszukriegen war: sie ist nur dazu bestellt werden, festzustellen, welche Meinungen es da gibt. Sie hat selber so viele Meinungen, wieviele Mitglieder sie hat. Auch wenn ein katholischer und ein evangelischer Bischof darunter ist, hat sie keine Kompetenz, aus den Meinungen Überzeugungen zu machen, die Glauben ausdrücken. Es geht vielmehr darum, mehrheitsfähige Positionen festzustellen. Für die Kirchen bringt dies ein Dilemma. Ihr Votum ist weder das einer Mehrheit, noch einer Minderheit. Sie hat die Lehre Jesu zu verkünden. "Eine größere Liebe hat niemand, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde". Nicht für sich! Herr über das Leben kann nur sein, wer es sich selbst gegeben hat. Niemand ist aus sich selber Mensch geworden, außer Gottes Sohn. Darum sind wir auch nicht autonom, über den Anfang oder über das Ende des Lebens zu verfügen. Wir müssen vielmehr mühsam lernen, es anzunehmen und Gott zu preisen. Alles andere kommt aus Ängsten und fördert solche. Aus der Sorge darum ist die Hospizbewegung entstanden. In ihrem Umkreis und bei denen, die sich ihr anvertrauen, hat die Todesspritze (oder -Pille) ausgespielt. Vor allem, weil dort die "palliative Medizin" (Schmerzlinderung) konsequent und mit großem Erfolg angewandt wird. Zum "Griff" nach der "Euthanasie" ("angenehmes Sterben") führt hauptsächlich die Angst vor Schmerzen und vor Verlassenheit. Wir lernen daraus: Es ist Nächstenliebe, vom Tod zu reden! Habt den Mut, davon zu reden, auch wo verdrängt wird! Der Arzt ist nie Befehlsempfänger des Patienten. Der Kranke vertraut sich vielmehr dem Arzt und seiner Kunst an. Der Arzt hat bereits seinen Auftrag: Er dient dem Leben und läßt das Sterben zu, wenn seine Kunst versagt. Die Kirche kann auch nicht ihre Botschaft ändern, nur damit die Leute ihr nicht davonlaufen! Das Ergebnis wäre nichts als Lüge. S. Joh. 6,66: "Von da an zogen sich viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm." Mit der Todesspritze in der Hand würde der Arzt seine Berufsehre versklaven! Ihr Pfarrer |
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